Copy and Paste

Das Verhältnis von Journalismus und PR bietet immer wieder Anlass für Diskussionen. Hier ein aktuelles Beispiel für eine unkritische Übernahme von PR-Meldungen:

Im Kongo soll das weltgrösste Wasserkraftwerk gebaut werden. Vier Online-News-Angebote, vier mal fast dieselbe Meldung. Agenturmeldungen zu übernehmen und zu verbreiten ist  nicht nur Usus, sondern auch sinnvoll: So kann das Informationsangebot schnell und einfach erfolgen. Die kritische Betrachtung allerdings bleibt auf der Strecke.

Ein klein wenig Zusatzrecherche ist  durchaus begrüssenswert. Von den gesichteten Internetangeboten hat aber einzig die NZZ noch einen  Hinweis auf die Umstrittenheit des Projekts angebracht:

http://www.nzz.ch/aktuell/international/am-kongo-soll-weltgroesstes-wasserkraftwerk-entstehen-1.18084095

Bekannte britische Medien wie die BBC, der Guardian oder „The independent“ haben sich des Themas (noch?) nicht angenommen. Es wird bestimmt spannend, zu sehen, ob und wie diese Onlineangebote und die deutschen Printmedien das Thema aufgreifen.

Der Hinweis auf die Umstrittenheit des Projekts ergibt sich übrigens nach einer fünf-minütigen Recherche auf Google. Schon Wikipedia hilft hier weiter.

Das Internet bietet solch grosse Möglichkeiten. Eigentlich schade, dass diese häufig ungenutzt bleiben…

Advertisements

Heute gelesen

Wolfang Michal erklärt  auf carta.info am Beispiel der Offshore-Leaks, warum Routinefragen immer zum Grundhandwerk des Journalismus gehören. Die Updates bekräftigen seine These umso mehr.

Warum kompliziert, wenns auch einfach geht? Wie immer erfrischend der Postillon mit einer neuen Geschäftsidee. 

Sebastian Schürmanns greift auf netzwertig.com das immer aktuelle Thema der Aktualität und der Faktenchecks in der schnellen Netzwelt auf.

Perfektionismus und Null-Fehler-Toleranz: Thomas Hasler analysiert für den Tagesanzeiger die herrschende Moralkeulen-Mentalität.

Lokale Onlinezeitungen zu wenig konkurrenzfähig

Sowohl das Zentralschweizer Angebot „Zentral+“, als auch die Berner Onlinezeitung „Journal B“  sehen sich mit Schwierigkeiten konfrontiert. Dies berichtet SRF im „Rendez-Vous“. Der Aufbau harzt: Es fehlt an Reichweite und Werbegeldern. Nötig wäre mehr Personal, um gut recherchierte Eigengeschichten zu lancieren. Doch dafür kommen zu wenig Einnahmen herein. Ein Teufelskreis. Und wiedermal stellen sich medienpolitisch altbekannte Fragen:

  • Wie viel Medienvielfalt brauchen wir?
  • Ist diese überhaupt noch im Rahmen des freien Marktes realisierbar?
  • Presseförderung: Ja, nein? Und wenn ja: Wie und wieviel?
  • Wie müsste ein konkurrenzfähiges Angebot aussehen?

Das Beispiel der lokalen Onlinezeitungen, angetreten mit hehren Zielen für die Medienvielfalt, zeigt , dass sich der Markteintritt sehr schwierig gestaltet. Eine gute Position im Markt lässt sich oft nur durch hohe Investitionen erreichen. Spielt also der Wettbewerb im Medienmarkt genug? Die Frage des Marktversagens ist momentan auch in der Diskussion um die Sonderstellung der SRG relevant: http://www.persoenlich.com/news/medien/weko-ussert-bedenken-gegen-generelle-haushaltsabgabe-306241#.UY1Wzb0trg0 .

Die weitere Entwicklung von „Zentral+“ und „Journal B“ könnte durchaus Aufschlüsse zur Beantwortung der obigen Fragen liefern. Ich persönlich hoffe, dass sie nur noch etwas mehr Zeit brauchen. Aber ob das ein realistisches Szenario ist, bleibt zweifelhaft.

Meinungsmacht, Meinungsbildung und Volkswahl

Heute gerade die „Edition spéciale“, das Extrablatt der SVP, aus dem Briefkasten gefischt. Grosses Thema: Vertrauen ins Volk bezüglich der Wahl des Bundesrates. Eigentlich interessant: An diesem Thema zeigt sich doch mal der Graben zwischen Worten und Taten:

Wenn das Volk so intelligent ist und ein Profi in Sachen Meinungsbildung, warum sollte es dann nicht in der Lage sein, sachlichen und differenzierten Diskussionen zu folgen und daran teilzunehmen? Aber gerade die SVP hat in ihrer Marketingstrategie das „Keep it short and simple“ perfektioniert. Soll heissen: Den Wähler mit kurzen, eindeutigen und simplen Argumenten abholen. Komplexe Inhalte haben da keinen Platz. Gutes Beispiel für die Schwarz-Weiss-Logik:

„Chaos dans la domaine de l’asile, immigration incontrôlée, criminalité croissante, adhésion rampante à l’UE, agressions venant de l’étranger“

– so beginnt der Lead just des Artikels, der Vertrauen zum Volk fordert. Die Themen haben durchaus ihre Berechtigung – dennoch sind sie alle doch deutlich komplexer als dargestellt und verdienen einen differenzierten Blickwinkel darauf.

Und damit alle die deutliche und unmissverständliche Botschaft verstehen und nicht Gefahr laufen, sie zu verpassen, sorgt die SVP auch für die nötigen Kanäle: BAZ, Weltwoche (wobei die Weltwoche sich selbst nicht als Kanal der SVP versteht) und Extrablatt. Bald auch NZZ (Einsitz in Verwaltungsrat), SRG (Fernsehwerbung) und Tamedia (Deal Sonntagszeitung)? Könnte ja sein, dass sich das Volk von all den anderen bösen Medien einlullen lässt.

Also: Vertrauen zum Volk – ja. Aber vielleicht sollte man dabei bei den Wurzeln beginnen – der Kommunikation.