Meinungsmacht, Meinungsbildung und Volkswahl

Heute gerade die „Edition spéciale“, das Extrablatt der SVP, aus dem Briefkasten gefischt. Grosses Thema: Vertrauen ins Volk bezüglich der Wahl des Bundesrates. Eigentlich interessant: An diesem Thema zeigt sich doch mal der Graben zwischen Worten und Taten:

Wenn das Volk so intelligent ist und ein Profi in Sachen Meinungsbildung, warum sollte es dann nicht in der Lage sein, sachlichen und differenzierten Diskussionen zu folgen und daran teilzunehmen? Aber gerade die SVP hat in ihrer Marketingstrategie das „Keep it short and simple“ perfektioniert. Soll heissen: Den Wähler mit kurzen, eindeutigen und simplen Argumenten abholen. Komplexe Inhalte haben da keinen Platz. Gutes Beispiel für die Schwarz-Weiss-Logik:

„Chaos dans la domaine de l’asile, immigration incontrôlée, criminalité croissante, adhésion rampante à l’UE, agressions venant de l’étranger“

– so beginnt der Lead just des Artikels, der Vertrauen zum Volk fordert. Die Themen haben durchaus ihre Berechtigung – dennoch sind sie alle doch deutlich komplexer als dargestellt und verdienen einen differenzierten Blickwinkel darauf.

Und damit alle die deutliche und unmissverständliche Botschaft verstehen und nicht Gefahr laufen, sie zu verpassen, sorgt die SVP auch für die nötigen Kanäle: BAZ, Weltwoche (wobei die Weltwoche sich selbst nicht als Kanal der SVP versteht) und Extrablatt. Bald auch NZZ (Einsitz in Verwaltungsrat), SRG (Fernsehwerbung) und Tamedia (Deal Sonntagszeitung)? Könnte ja sein, dass sich das Volk von all den anderen bösen Medien einlullen lässt.

Also: Vertrauen zum Volk – ja. Aber vielleicht sollte man dabei bei den Wurzeln beginnen – der Kommunikation.

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